Dachverband islamischer Vereine in Karlsruhe und Umgebung e. V.

 Eine Arbeitsgemeinschaft muslimischer Einrichtungen und Moscheen in Karlsruhe und Umgebung.

„Geschichtlicher“ Rückblick der Entwicklung des „Islamischen (Muslimisches) Lebens in Karlsruhe“

Karlsruhe wurde  Anfang des 18. Jhd. als eine liberale Stadt gegründet, wobei den Menschen, die aus verschiedenen Nationen abstammten, auch Religionsfreiheit garantiert wurde, was in dieser Zeit nicht selbstverständlich war. Somit herrscht seit der Stadtgründung von Karlsruhe eine lange Tradition eines Lebens mit verschiedenen Kulturen und Religionen. Die erste Welle muslimischer Einwanderer, wenn auch zunächst in kleinerer Anzahl, ist zwischen den fünfziger und sechziger Jahren mit den  Muslimische Studenten an Technischen Hochschule in Karlsruhe zu verzeichnen. Die Durchführung der ersten Freitagsgebete, was in der Bedeutung dem christlichen Sonntagskirchgang gleichkommt, wurden zunächst in den sechziger Jahren von muslimischen Studenten arabischer Herkunft in den Sporthallen der Technischen Hochschule Karlsruhe organisiert.

Eine Einwanderung in größerer Zahl von meist türkischen Arbeitsimmigranten ab den 60‘gern war auch in Karlsruhe zu beobachten. Die  muslimischen Gemeinschaftsgebete im Fastenmonat Ramadan wurden damals zunächst in Wohnheimen, in denen türkische Gastarbeiter untergebracht waren, abgehalten. Später erfolgte die Anmietung von kleineren behelfsmäßigen Räumen Anfang der 70‘ger, in denen auch die Freitagsgebete durchgeführt wurden und zudem von da an muslimischen Kindern Koran- und Islamunterricht in Eigenregie erteilt wurde. Für die beiden Festgebete der Muslime (am Ende des Ramadan und zum Opferfest), an denen zu der Zeit etwa 500-600 Personen teilnahmen, wurden große Säle z.T. von den Kirchengemeinden angemietet, weil die damals eigenen Räume zu klein für diese Art von Veranstaltungen waren.

Danach gründeten sich immer mehr weitere Moscheegemeinden, wobei jetzt zur Zeit neben den fünf türkischsprachigen, jeweils eine arabischsprachige, bosnischsprachige und albanischsprachige Moscheegemeinde in Karlsruhe zu finden ist.

Der Stand im Jahre 2001 zeigt, dass vier Moscheegemeinden mittlerweile käuflich erworbene Räume bzw. Gebäude besitzen und weitere Gemeinden den Bau eines Moscheegebäudes in Karlsruhe erwägen.

Es leben ca. 12000 Muslime in der Fächerstadt, von denen etwa 2000 die deutsche Staatsangehörigkeit (Tendenz steigend) besitzen. Diese stammen aus verschiedenen Herkunftsländern (Türkei, Bosnien und Kosovo, arabische Länder, Pakistan, Indonesien etc.), aber es gibt auch deutschstämmige Muslime, die zum Islam übergetreten sind.

Neben den Moscheegemeinden haben sich mittlerweile auch andere Institutionen etabliert. In Karlsruhe ist seit 1985 ein Gräberfeld für Muslime eingerichtet.

Die Moscheen werden von Mitgliedern einer bestimmten Sprachgruppe frequentiert und die Aktivitäten und Angebote der Gemeinden sind meist in der jeweiligen Sprache. Die bereits erwähnten türkischen, arabischen, bosnischen und albanischen Sprachgruppen sind hier vertreten. Bei den mehreren türkischsprachigen Gruppen sind die hauptsächlichen Unterschiede darin begründet, dass sie der Kontrolle der Institutionen des türkischen Staates unterliegen werden oder aber unabhängig organisiert sind.

Die Aufgaben der Moscheegemeinden sind zum größten Teil identisch: Bereitstellung von Räumen für die täglichen fünf Gebete, Durchführung des Freitagsgebets und das Abhalten der beiden Festgebete. Die Betreuung (Trauungen, Tod, andere soziale Dienste, Aufklärung in islamischen Angelegenheiten etc.)  der muslimischen Gemeinde und wird durch einen sog. Imam (Gemeindevorsteher) durchgeführt. Da es z. Z. keinen ordentlichen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen für muslimische Kinder gibt, ist eines der Hauptaufgaben des Imams die Funktion des Religionslehrer für die Kinder zu übernehmen. Manche Moscheegemeinden haben darüber hinaus noch aktive Frauen- und Jugendgruppen, die jeweils geschlechts- bzw. alterspezifische Angebote für die Gemeindemitglieder anbieten oder verstärkt sich im kulturellen Bereich engagieren. Die „Internationale Islamische Frauengemeinschaft“ hingegen hat sich ganz auf familien- und frauenspezische Angebote und Kontakte zu Frauenorganisitionen spezialisiert.

Eine besondere Anstrengung erfordert der Fastenmonat Ramadan für die Gemeinden. Das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang wird bei einigen, jeden Tag im Ramadan gemeinsam begangen, bei anderen am Wochenenden oder an bestimmten Tagen. Es finden in dieser Zeit auch zusätzliche Gebete, die nur in dieser Zeit des Ramadans durchgeführt werden, statt. Die Pilgerfahrt nach Mekka (Saudi Arabien) von Deutschland aus wird jedes Jahr auch von den Moscheen organisiert.

Neben der Gründung von „klassischen“ Moscheegemeinden, etablieren sich immer mehr Institutionen der Muslime, die ein breit angelegtes muslimisches Leben in Karlsruhe sicherstellen sollen. Da gibt es den Deutschprachigen Muslimkreis Karlsruhe (gegr. 1989), dessen vorrangiges Ziel ist, Information über den Islam und die Muslime an die Karlsruher Bevölkerung zu übermitteln und somit Vorurteile abzubauen, Brücken zu schlagen und die Integration der Muslime in der Stadt Karlsruhe zu fördern. Darüber hinaus dient sie den deutschprachigen Muslimen (Konvertierte, Muslimen der 2. oder 3. Generation u.a.)  als Gemeinde. Die Studentengemeinde an der Technischen Hochschule betreut die Muslimischen Studenten aus verschiedenen Ländern und organisiert täglichen Gebete und das Freitaggebet, das in deutscher Sprache abgehalten wird. Seit September 1999 ist ein multikultureller Kindergarten von Muslimen in Karlsruhe in Betrieb. Im ersten Kindergarten dieser Art in Baden-Württemberg werden von mehreren muslimischen Erzieherinnen etwa 20 Kinder unterschiedlicher Religionszugehörigkeit betreut.

Für ein Besuch in einer Moscheegemeinde oder einer Moscheeführung kann der Deutschsprachige Muslimkreis Karlsruhe kontaktiert werden, der solche Veranstaltungen seit längerem mit Erfolg durchführt.

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